Clubgeschichte

Der Club arbeitet seit November 1996 an diesem Standort.

Es gibt unendlich viele Geschichten zu erzählen. Die unten aufgeführten wurden im Rahmen von Projekten 1998, 2003 und 2006 aufgeschrieben.

Die neuen Geschichten sind zum Teil im Blog zu lesen.

Was kannst du erzählen? Schicke uns deine Geschichte.

 

 

Logo KunstWas soll ich denn erzählen?

Ja, der Club ist toll, alle sind lieb außer Nicole und Sebastian, Karin nervt manchmal rum, aber sonst ist alles okay.

Daß man hier so ein DJ-Ausweis machen kann und dann an die Anlage darf, find ich gut, habe ich auch schon gemacht mit Rolf. Ich bin schon von Anfang an hier, da haben Karin und Thomas bei so ‘nem Schulfest Tee ausgeschenkt, und wir sind danach mit unserer Clique hier rein, fast jeden Tag.

Was ich wirklich interessant fand, war als da sich so einer hier verbrannt hatte, der tat nur so, war mit Farbe angeschminkt, und laut rumbrüllte und um Hilfe schrie. Der saß hier auf der Treppe und war so 17-18, wir kannten den nicht, er hatte geklingelt und gesagt, wir sollten ‘nen Notarzt holen. Kamen gleich alle angerannt, weil der so rumgeschrien hat. Oben war so ein Sanitäter, der hat einen Erste-Hilfe-Kurs gegeben, den haben wir dann geholt, und er hat den anderen behandelt, die Hand verbunden und die Farbe abgewaschen. Dann sind sie mit und in den stillen Raum gegangen und haben uns gefragt, was wir gemacht hätten, wenn der Sanitäter nicht da gewesen wäre, und wie wir uns gefühlt haben. Die haben das gemacht, um uns zu diesem Kurs zu locken, ist ihnen auch gelungen.

Und was noch?

Man hat hier mehr Freiraum als im Hort.

Noch was?

Wenn der Club nicht wäre, würde ich auf den Spielplatz gehen, mache ich ja jetzt schon bei schönem Wetter, oder ich würde nach Hause gehen.

Was ich hier am liebsten mache?

Tischtennisspielen, Musik hören, an der Anlage arbeiten oder einfach bloß Quatsch machen mit den andern. Doof ist nur, wenn die Großen aus der 7. und 8. Klasse nerven, die finden ja immer einen Grund uns zu ärgern. Mit den behinderten Kindern habe ich kein Problem, wenn Nicole nicht gerade wieder spuckt oder Sebastian kneift.

Noch mehr?

Ob ich hier was neues kennengelernt habe.

Ja, Karin hat mir das Sticken beigebracht, das macht mir Spaß, kann man gut bei Quatschen. Ich habe kein Problem damit, daß das Frauenarbeit sein soll, ist doch egal, ich mach’s gern. War’s das, kann ich gehen?

Nee, mehr habe ich nicht zu erzählen, reicht doch, oder?

 

 

 

Erste Monate im ClubWir waren in der 5. Klasse.

Irgendwann im November kam Karin mit ihrem Schulclub. Wir sind da hingegangen, um mal zu gucken.

Karin hat sich vorgestellt und dann gefragt, wie wir heißen.

Zuerst haben wir Hausaufgaben hier gemacht, manche haben Zweifelderball gespielt, Zombie auch schon einige.

Und dann war jeden Sonnabend Disco von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr mit Thomas als DJ, und Karin hat immer unten gestanden und aufgepaßt, daß nicht zu viele reinkamen, daß wir uns in die Besucherliste eintrugen und unsere gekauften Colas mit unseren Namen beschrifteten.

Damals waren noch viele Jugendliche hier aus der 7., 8. und 9. Klasse. Elch, Gregor, Titte, Judith und so.

In den ersten Stunden bei der Disco haben wir immer nur rumgesessen und rumgeknutscht, aber dafür in der letzten getanzt.

Leider gab es dann immer öfter Krach, die Jungs tranken Bier davor und waren dann besoffen, auch Sebastian, und dann haben sie die Mülltonnen auf die Straße geschoben, manchmal sogar umgekippt, und der Hausmeister mußte den Dreck dann wegmachen. Außerdem wurde immer öfter die Polizei gerufen. Und obwohl Karin am Anfang gesagt hatte, daß immer Disco sein würde, mußten wir dann damit aufhören nach einem halben bis dreiviertel Jahr.

Es wäre echt gut, wenn jetzt wieder Disco wär, müssen ja keine Großen kommen, obwohl mit wem soll man dann rumknutschen, na gut, brauchen ja nur die vernünftigen kommen.Erste Wandgestaltungen im Treppenhaus

Die Behinderten dürfen natürlich auch kommen, anfangs war es zwar komisch mit ihnen, heute ist aber alles in Ordnung. Mit ihnen haben wir auch sie Stühle bemalt für den Discoraum, außerdem haben wir auch mal mit ihnen bei Babette mitgetanzt, unter anderem auch mit Sebastian, der hat so tolle Tanzgefühle.

Schön war auch, wie wir aus Müllsäcken so ’ne Folie für die Decke im Bastelraum gemacht haben. Die haben wir bemalt und Beschrieben mit Sprüchen und so.

Heute ist es viel ruhiger im Club, ist eigentlich auch ganz gut, denn der ewige Zoff mit den Großen hat schon genervt, trotzdem wäre es gut, wenn Sonnabends wieder Disco wäre.

 

 

 

Besucher des ClubsDen Schulclub entdeckte ich, als wir in der 4. Klasse zu dem Theaterstück „Sams“ herkamen. Danach hat uns Karin das ganze Haus gezeigt und gesagt, daß wir ab der 5. Klasse herkommen dürfen.

Da mir der Club sehr gefiel, bin ich nach den Sommerferien hingegangen.

Anfangs spielte ich mit meiner Freundin Gina meistens im Theaterraum. Wir holten Puppen, Puppenwagen, Anziehsachen, Windeln und Plüschtiere von Gina und brachten sie in den Raum. Dort bauten wir uns aus Decken und Stühlen eine Wohnung und spielten dann mit den Puppen. Bald spielten Sabine und Diana mit ihren Puppen bei uns mit. Das war sehr schön.

Toll finde ich auch den Toberaum, weil man da seine Wut rauslassen kann, indem man mit den Kissen wirft. Wenn es mir gut geht, dann baue ich mit anderen Kindern Türme und Höhlen aus den Kissen. So was, wie den Toberaum hatte ich vor dem Schulclub noch nie gesehen.

Im Hort mußten wir immer im Raum bleiben bei unseren Erzieherinnen. Hier können wir frei wählen, wo wir spielen wollen, außerdem kostet es hier nichts, im Gegensatz zum Hort. Kostenlos Tee trinken konnten wir dort auch nicht. Die Brotrunde hier ist eine gute Idee, so kann man essen, wenn man Hunger hat für wenig Geld.

Spaß macht mir das tanzen im Discoraum mit Babette, genauso wie das Theaterspielen mit Sabine, die ja jetzt in der Schule ist, aber ohne den Schulclub wäre ich nie darauf gekommen.

Ganz toll finde ich auch die Ferienausflüge, die wir hier machen, zum Beispiel in die Jungfernheide mit dem Abenteuerspielplatz, dem Seilgerüst, wo wir die ganze Zeit Fange gespielt haben, oder diese tolle Schwimmhalle, in der wir mit dem Rettungsschwimmer und diesen matten und Bällen im Wasser gespielt haben.

Die Ferienfahrt im Sommer wird bestimmt auch gut, nach dem ich die Fotos vom letzten Jahr gesehen habe mit den Wasserbomben und so, freue ich mich richtig darauf.Heinz beim Modellbau

Schade ist, daß wir keine Möglichkeit haben, draußen zu spielen. Ein Volleyballnetz oder anderes zum Bewegen auf dem Schulhof wäre gut, überhaupt fände ich es besser, wenn wir noch mehr Turngeräte hätten.

Aber das einzige, was wirklich nervt, sind die Großen, die immer mit den jüngeren Kindern stänkern, uns den Ball wegnehmen und blöd anmachen, schubsen. Es wäre gut, wenn man ihnen verbieten würde, herzukommen, wenn sie dauernd stören und auch die Kinder aus der Sonderschule beschimpfen, die machen das dann nämlich nach und benutzen auch diese Schimpfwörter.

Eine gute Idee wäre es, sich mit anderen Schulclubs mal zu treffen, um mal andere Kinder kennenzulernen, die hier kennt man schon alle. Oder andere Kinder aus Sonderschule, geht auch. Dann fände ich es noch besser im Schulclub.

 

 

Zombie spielen„Zombie ! Zombie! Zombie!“ Zehn von zwölf Kindern wollen schon wieder das Abwurfspiel Zombie spielen. Ob in der Schule oder im Club, Zombie ist das Ballspiel.

„Wie wär’s denn mal mit Ball über die Schnur?“ „Nee, das ist langweilig.“ „Wenn was anderes, dann Fußball.“
Die Jungs sind sich einig und fangen sofort damit an.
Fast hilflos ertönen zum tausendsten Mal die Worte: „Fußball geht hier drinnen nicht, weil das Mauerwerk nicht stabil genug ist.“ „Wir schießen ja nicht so doll.“
Bums, der Ball kam trotz vorgespannter Netze bis zur Fensterscheibe durch, zum Glück ging nichts dabei kaputt.
Kissenschlacht im Toberaum„Na gut, wir spielen Zombie.“ Nun sind auch die Mädchen wieder auf dem Feld, und es geht los. „Ich mach Einwurf.“ „Nee, ich mach Einwurf, du machst ihn sonst immer.“ „Rolf, mach du Einwurf.“ sagen die, die der ewige Streit nervt.
Jetzt geht es richtig los. „Nur ein Schritt, sonst gilt’s nicht!“ der Abwurf. „War doch.“ „Kannste nicht mal bis Eins zählen?“ „War doch mit Anlauf.“ „Ohne Anlauf.“
Erwartungsvolle Blicke zum Spielleiter. „Ich bin der Meinung, ihr seid so groß und der Raum so klein, gar kein Schritt.“
„Ich kann aber nicht so gut werfen.“ Man einigt sich auf einen Schritt ohne Anlauf.
Nun aber fängt es wirklich an. „Du bist raus.“ „Hast gar nicht getroffen.“ „Doch.“ - alle haben es gesehen. „Na gut, dann ist die aber auch raus.“ „Nee.“ - keiner protestiert. „Gut, dann bleibe ich auch drin.“ - nun ist das Protestgeschrei groß.
„Das Spiel ist doof, können wir nicht was anderes spielen?“ „Nein, Zombie, Zombie, Zombie!“ Zehn von zwölf Kindern sind sich einig. Und es geht los und los und los.

 

Kueche„Ey, warum ist die Küche zu?“ Reichlich sauer für diesen Moment stürmen ein oder auch mehrere Kinder auf Rolf ein.

„Karin ist gerade beim Essen, in einer Viertelstunde aber wieder da, und dann ist auch die Küche wieder auf.“ Jeden Tag das selbe Spiel um die Mittagszeit. Kein Raum löst mehr Protest aus, wenn er geschlossen ist, als die Küche, denn hier sitzen die Kinder am liebsten zum Quatschen, weil sie gleichzeitig naschen und trinken können.
„Und was nascht ihr am meisten?“ „Buzzys.“, ist die einfache Antwort darauf. „Warum Buzzys, und was ist das überhaupt?“ 
„Das ist Wassereis und das billigste, was du nebenan kriegst.“ „Zwanzig Pfennig das Stück, außerdem schmeckt es auch noch gut.“ „Buzzys sind schön bunt und nicht schädlich, sind ja aus Wasser.“
„Wer hat denn die meisten davon schon gegessen?“ Viele Kinder melden sich. „Ich habe schon mal 12.“ „Ich 20.“ "Ich schon 25, aber dann war mir schlecht.“ "Willi meldet sich mit 30 Eis." „Sechs Mark für Wassereis ! Was man sich da alles kaufen kann.“ „Nicht mal ein ‘Lustiges Taschenbuch“ „Aber vier Blumentöpfe mit was drin.“ 
Doch worüber reden die Kinder, wenn kein Schulclubreporter dabei ist?„Hau ab, das ist Mädchensache.“
„Das geht dich gar nichts an!“
„Wir lästern über...“
„Gestern haben wir Karten gespielt.“
„Ich mach ‘ne Pause vom Ballspielen.“
„Ich sitze hier einfach nur.“
„Rolf!“ „Roholf!“ Rolf kommt in die Küche.
„Hauste mal wieder ab!“ Rolf geht. 
Zum Glück ist die Küche meistens auf.

 

Seit Jahren erhalten die Klassen der Pettenkofer Grundschule bei ihrer Unterrichtsarbeit, insbesondere bei Projekten, umfangreiche Unterstützung durch den Schulclub.

So konnte die jetzige 5b im vorigen Schuljahr mit Hilfe des Schülerclubs ein tolles Mittelalterfest durchführen. Schon Tage vor dem Fest wurden Vorbereitungen getroffen. So wurde Kuchen gebacken, Suppe gekocht, Räume gestaltet. In einem Raum z.B: befanden sich nur Spiele, die man im Mittelalter gespielt hat. Natürlich mussten diese Spiele selbst hergestellt werden. Das Fest in dieser Form hätte in der Schule nicht durchgeführt werden können.

Im vergangenen Dezember nutzte die Klasse den Schülerclub, um über drei Wochen jeweils an einem Wochentag Weihnachtsgeschenke zu basteln. Die Kinder konnten z.B. Holzarbeiten durchführen, was in der schule nicht möglich gewesen wäre, weil einfach keine Werkzeuge dazu vorhanden sind.

Das sind nur zwei Beispiele, die für viele Aktivitäten dieser Art stehen.

Unsere Schule kann sich glücklich schätzen, auf ihrem eigenen Gelände eine solche Einrichtung zu haben.

Natürlich darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass es vor allem dem Engagement von Frau Rother zu verdanken ist, dass alle diese Projekte so toll unterstützt werden.

Berlin, den 3. Februar 2004

Brigitte Schließing, Klassenlehrerin der 5b der Pettenkofer Grundschule Berlin-Friedrichshain

 

Inspiriert von dem tollen "SCHULKLUBRAP" bin ich in die Versuchung geraten, selbst ein bisschen reimerisches Talent an den Tag zu legen. Als Anlass nahm ich das 10jährige Jubiläum des Vereins und nannte die Verse:

In den Schulclub geh'n nicht nur die Kinder gern,
viele wohnen nah -
ich in der Fern'.

Deshalb kann ich nicht oft kommen,
doch wenn ich's schaffe,
dann mit Wonnen.

Stets gibt es Neues zu entdecken -
Kinder spielen in allen Ecken.

Ich sehe mich um und staune -
die Karin hat stets gute Laune!

Die "Zivis" stimmen mit mir doch überein?!?
Was "Nein"??? - Ihr seid gemein!

Zumindest scheinen sie ihre Arbeit gut zu machen,
seh' ich die Karin doch schon wieder lachen.

Was wird hier eigentlich gefeiert?
Ich seh' keinen Alkohol - hat irgendwer gereihert?

Zehn Jahre gibt's den Schulclub schon,
"Das ist beachtlich!", sag ich ohne Hohn.

Ist doch fast mein halbes Leben
und das ist so schön gewesen.

Hoffentlich gibt's den Schulclub denn noch lange,
dann ist mir um die Kids nicht bange.

Doch mit den Finanzen ist es vage,
bei der angespannten Haushaltslage.

Überall wird eingespart,
da wird's in Zukunft doppelt hart.

Aber bei so vielen tollen Leuten,
die sich tagein, tagaus selbst ausbeuten,
um den Kindern Spaß zu bringen.

Hey - macht weiter so.
Es wird gelingen!!!

Thomas Giesecke

 

 

Um zu beschreiben, wie unser Schulalltag ohne Schulclub aussähe, müsste ich den Text im Konjunktiv verfassen. Das ist mir zu umständlich. Deshalb beschreibe ich lieber unseren Alltag, wie er mit Schulclub aussieht, in der Hoffnung, diesen Zustand auch für die Zukunft zu bewahren - im Interesse der Kinder und natürlich auch in meinem, als Lehrerin der Pettenkofer Grundschule.

Ich beginne am Anfang. Im Sommer 2000 kam ich an diese Schule. Als eine der ersten Kolleginnen kam Karin Rother auf mich zu – ihren Namen kannte ich schon von meinen neuen Schülern – und stellte nicht nur ihre Arbeit im Klub vor, sondern bot in gleichem Atemzug ihre Unterstützung bei schulischen Aktivitäten der Klasse an.

So treffen wir uns am Anfang des Schuljahres und tauschen uns über die Kinder aus, die nachmittags regelmäßig den Schulclub besuchen und Hilfe in unterschiedlichster Form benötigen, sei es Unterstützung bei den Hausaufgaben, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, eine warme Mahlzeit, jemanden, der ihnen zuhört oder auch Hilfe für die Familie, wie Kontakte zum Jugendamt….

Vielen meiner SchülerInnen ist der Schulclub ein zweites Zuhause und Familienersatz und Karin Rother die zweite Mama dazu, die sich um alles kümmert und auf alles ein Auge hat. Wenn es Probleme mit einem Schüler gibt, laden wir oft die Eltern zu gemeinsamen Gesprächen ein.

Neben all dem Kräfte zehrendem Engagement finde ich es besonders beeindruckend, dass Frau Rother mit ihren Mitstreitern immer wieder neue Ideen hat, die Interessen und Bedürfnisse der Kinder mit Lerninhalten unter einen Hut zu bringen. Ich denke dabei an solche Projekte wie die Nationalitätentage (im Schulclub treffen sich Kinder der unterschiedlichsten Nationen), die Kunstprojekte oder das Pettenkoferprojekt.

Ein wichtiger Aspekt für meine Schüler ist die Zuverlässigkeit. So können sie sich sicher sein, dass immer dienstags gebacken wird, dass jeden Freitag eine warme Mahlzeit auf dem Tisch kommt oder dass sie selbstverständlich ihr Klassenfest im Schulclub feiern dürfen….

Ich habe schon die verschiedenen Nationalitäten angesprochen – aber im Schulclub treffen sich nicht nur Kinder der unterschiedlichsten Kulturen, im Klub verbringen Kinder ohne Behinderungen und Kinder mit Behinderungen ihre Freizeit miteinander. Jeder wird hier willkommen geheißen und integriert. Diesen Vorzug wissen die Kinder zu schätzen.

Der Schulclub ist auch in den Ferien für die Kinder da. Dann wird auf abenteuerlichen Exkursionen Berlin erkundet oder die Kinder verreisen sogar in die Umgebung Berlins. Frau Rother stimmt mit uns Kolleginnen ab, welche Kinder der Klassen für die Freiplatzregelung ausgewählt werden. So haben auch Kinder die Möglichkeit, im Sommer zu verreisen, deren Eltern die Reise nicht finanzieren können.

Aber wie arbeiten Frau Rother und ich im Unterricht zusammen? Wenn ich mit meiner Jahresplanung so weit bin, dass ich weiß, welche Projekte / Themen ich im laufenden Schuljahr oder auch im nächsten Schuljahr durchführen möchte, besprechen wir gemeinsam, wie wir die Vorhaben umsetzen können. Das heißt, wir stellen einen Zeitplan auf, sammeln Ideen zur inhaltlichen Ausgestaltung und Organisation und, und, und .... wie man eben Projekte vorbereitet.

So haben wir mit Frau Rother schon zu folgenden Themen in den Schulclubräumen Projekte durchgeführt:

 

  • Mittelalter
  • Weihnachtsbäckerei
  • Reis
  • Bambus
  • Häuser
  • Berlin
  • Gewaltprävention

 

Ohne die Mitarbeit von Frau Rother hätte ich diese Vorhaben längst nicht in diesem Umfang und mit diesem organisatorischen Aufwand durchführen können. Dabei schätze ich sehr ihre Fachkompetenz und ihre Erfahrung.

Darüber hinaus begleitet uns Frau Rother regelmäßig auf Exkursionen, auf Wandertagen und im vergangenen Schuljahr sogar zur Abschlussfahrt der Klasse. Frau Rother unterstützt mich im Unterricht bei aktuellen Anlässen. Sie führt für die 5. und 6. Klassen Wahlunterricht (WUV) durch, der sich ganz an den Bedürfnissen der Schüler orientiert und sie führt täglich eine intensive Pausenbetreuung durch.

Was wären wir ohne Schulclub? Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen!

Regine Lopez Rivas

Berlin, 2. September 2003

 

 

Der Name drückt schon einiges aus, Kinder von nebenan heißt soviel, dass es bei diesem Projekt vor allem um Kinder aus dem Kietz geht, also um die alltägliche Freizeitgestaltung von Kindern aus der nahen Umgebung, was soviel wie zu Hause bedeutet. Und das ist glaube ich das Grundprinzip des Clubs. Die Kinder sollen sich hier zu Hause fühlen. Ich spreche aus Sicht eines Elternteiles und später auch Schulclubmitgliedes. Unsere Tochter Anika gehört zu den "Ehemaligen". Sie hat von Anfang an den Schulclub besucht, bis sie im Jahr 2000 die Schule verlassen hat und wenn wir nicht den Wohnort nach Köpenick verlegt hätten, wäre sie sicher auch sonst so manches mal noch zu Besuch gewesen Anika ist eines von den Integrationskindern, d.h. sie besuchte die Schule für Geistigbehinderte. Für uns war der Schulclub von Anfang an eine Bereicherung, ermöglichte er doch unserer Tochter an einer selbständigen Freizeitgestaltung mit anderen "gesunden" Kindern teilzunehmen. Wobei der Vorteil offensichtlich auf beiden Seiten lag. Sich gegenseitig zu akzeptieren mit Stärken und Schwächen, der faire Umgang miteinander steht hier im Mittelpunkt.

Den Kindern wird aber nicht nur eine Freizeitbeschäftigung geboten, auch Hilfestellung bei den Hausaufgaben oder die vielen Projektarbeiten an denen alle mitgearbeitet haben und die auf spielerische Art und Weise Wissen vermitteln gehören dazu.

Was gefiel uns und Anika am besten? Da ist viel zu nennen, die Bastel- und Malstunden mit Brigitte, die Märchenstunden, die Tanzstunden, die Keybord- und Kraftsportstunden, die Ausflüge in den Ferien, die Schulclubferienfahrten, die auch manchen Kindern ermöglicht wurden, die eigentlich das Geld dazu nicht hatten und vieles mehr. An einem Tag in der Woche wurde Kuchen gebacken, manchmal auch gekocht und es gab jeden Nachmittag Marmeladenstullen und Tee. Für viele Kinder ein Anlaufpunkt, wo sie sich geborgen und zu Hause fühlen. Und das alles mit wenig Geld und Leuten zu organisieren ist schon eine tolle Leistung.

Dafür dem Schulclub und allen voran Karin Rother, herzlichen Dank für die geleistete Arbeit und großes Daumendrücken, dass die Gelder auch in Zukunft noch reichen, dieses erfolgreiche Projekt weiterzuführen.

Renate und Anika Werk

 

Andre FastAls ich 1995 als noch frischgebackener Abiturient von gerade mal 20 Lenzen das erste mal die heiligen Hallen des Schulclubs, damals noch in der Lasdehner Str. betrat, ging es mir eigentlich nur darum, möglichst schnell eine Stelle zu finden, um mein Jahr Zwangsdienst, das Vater Staat für mich dankenswerterweise vorsah, herunterzureißen. Recht schnell sollte ich feststellen, dass mit dem Antritt dieser Tätigkeit das lotterhafte Jugendleben ein jähes Ende haben sollte und ich nun tatsächlich als Erwachsener agieren musste mit Verantwortung für andere als mich selbst.

So war der Sprung ins kalte Wasser auch sehr erfrischend. Es hieß 2 Wochen Ferienlager mit Betreuung dreier Jungs mit geistiger Behinderung und der dienstlichen Anweisung „Marcel darfst du auf keinen Fall aus den Augen lassen, im vorigen Jahr hat der die gesamte Elektroanlage außer Betrieb gesetzt.“ So tat ich nach besten Gewissen me ine Pflicht, die Jungs hatten eine gute Zeit, ich keine ruhige Minute und das Ferienobjekt erlebte auch tatsächlich keinen Stromausfall.

Nach dem verdienten Urlaub begann dann der Cluballtag als erster Zivi (und ich sollte nicht der letzte dieser Zunft bleiben) des Schulclubs, wobei „Alltag“ nicht sonderlich treffend für die tägliche Arbeit war. Der Vormittag war der Reinigung der Räume gewidmet. Fegen, Saugen, Abwaschen ... ausnahmslos jede Toilette wurde täglich gereinigt, und ich kann heute ehrlich zugeben, dass ich nie auch nur eine Toilette heimlich ausgelassen hätte. Allerdings muss ich gestehen, eine Putzanweisung der Chefin Karin doch bewusst hintergangen zu haben. Die schwarzen Streifen, die die Schuhe der Kinder im Winter in den schönsten Mustern auf dem Linoleumboden hinterließen, waren doch am effizientesten zu beseitigen, wenn man mit dem eigenen Schuh enthusiastisch über die Streifen rubbelte, das schaffte man mit keinem Scheuerlappen so schnell. Der Tick, Streifen auf Linoleum, egal ob dieses sich nun zufällig in einer McDonalds Filiale oder in einer öffentlichen Toilette befand, mit dem Schuh wegrubbeln zu müssen, verschwand erst nach einigen Monaten und sorgte so zeitweise für (noch) mehr Sauberkeit in unserer schönen Hauptstadt.

Nach dem energiearmen Mittagessen (ich hätte nicht gedacht, noch einmal die gewöhnungsbedürftigen Kochkünste der unmotivierten Mitarbeiter von Bärenmenü genießen zu dürfen), wenn der letzte Lappen kaum ausgerungen war, wurden die Pforten geöffnet und die Schüler der benachbarten Grundschule strömten hinein. Und damit begannen die Stunden mit hoch konzentrierten Schlachten am Abdalone-Spielbrett, schweißtreibenden Kämpfen im mit Kissen gepolsterten Toberaum, bemühten Versuchen, die großen Jungs (so zwischen 1,40 m und 1,90 m) davon zu überzeugen, dass die Guppies vielleicht im Aquarium doch besser aufgehoben sind als auf dem streifenfreien Linoleumboden, um ihnen im direkten Gegenzug die wertvollsten Magic © Karten abzugaunern (sorry, Björn), immer beschalt von den neuesten Bravo Hits, so dass ich letztlich nicht nur die Chartstürmer von Scooter und Blümchen mitsingen (oder schreien) konnte, sondern sogar erfuhr, dass die Schlümpfe ihren Vater Abraham ins holländische Alterspflegeheim gesteckt zu haben schienen und nun mit Technosongs die Hitparaden und deutsche Kinderzimmer eroberten.

Dann am Nachmittag holten wir die Jungs und Mädels aus der Sonderschule ab, die sich auf der anderen Seite der Grundschule neben dem Club befand. So unterschiedlich die Bedürfnisse, die Charaktere und die notwendige Aufmerksamkeit auch waren, soweit es das Wetter zuließ, war der Spielplatz für viele Kinder meist der beste Ort, um nach der Schule erst einmal den Nachmittag einzuläuten. Hungrig und durstig erwartete uns dann das beliebte Ritual des Marmeladentoastbrotessens. Alle saßen in einer großen Runde und das Toastbrot (die Scheibe für unschlagbare 10 Pfennig) machte nicht Wenige satt und der unübertroffene Pfefferminztee Alle sitt (auch wenn es dieses Wort damals noch nicht gab). Mit Spielen, Basteln, Toben, Hausaufgaben helfen, Tanzen, Zuhören, Diskomachen ... verging der Nachmittag schnell und um 18.00 Uhr schließlich warteten schon meine Freunde Besen und Staubsauger auf mich, denen die letzte halbe Stunde meine ungeteilte Aufmerksamkeit gehörte. Zum Wochenausklang erwarten mich dann die allsamstägliche Disko, bis zu 30 tanzwütige Teens und die neuesten Hit CD´s aus dem Hause „Just the Best“.

Höhepunkte wie Schulfeste (mit Hausmeistern, die unschuldige Zivildienstleistende zum Alkoholmissbrauch überreden wollten), Schlummerpartys (mit wenig Schlaf und vielen Gruselgeschichten) und Tagesausflügen (mit Wanderungen, die bei der Bundeswehr vermutlich als Gewaltmarsch von der Generalität untersagt worden wären) gab es reichlich, die begeisterte Teilnahme der Kinder war uns stets sicher.

Wie ich später erfuhr hatte jeder Zivi eine Sache, die er besonders gut konnte. Während mein Nachfolger beispielsweise gemeinsam mit den Kindern die wunderbarsten Kuchen aus den wundersamsten Zutaten zauberte, konnte ich meine hauswirtschaftlichen Fähigkeiten ausleben und nähte mit den Mädels und Jungs (!) Teddys, deren Profil einem a lten Schnittmuster einer hier nicht näher erwähnten, ehemaligen Pionierzeitung entstammten. Dank einer großzügigen Kuschelstoffspende entstanden so duzende von Teddybären, und es fehlte nicht mehr viel und wir hätten in die Massenproduktion gehen können und den Markt für Kuscheltiere beherrscht. Doch zumindest konnten wir einige Bären einem Mitglied des Vereins mitgeben, die über die Aktion Sühnezeichen, die Teddys Kindern in der Ukraine zukommen ließ. So wurden Ergebnisse meiner Arbeit sogar über die Landesgrenzen getragen.

Mit der Gewissheit, eine sinnvolle Tätigkeit geleistet zu haben, ging ich meist doch recht zufrieden nach Hause. Die Dankbarkeit und Zuneigung der Kinder, die einen sehr direkt spüren lassen, ob man gut oder schlecht gearbeitet hat, begeisterte mich so, dass ich trotz des bescheidenen Zivi-Soldes sehr motiviert war. Wenn man dann selbst nach Jahren von den Kindern wiedererkannt und mit ehrlicher Freude begrüßt wird, ist dies doch sehr bewegend, so dass es ein Jahr mit einer sehr dankbaren Aufgabe war, das mich mit Sicherheit in meiner persönlichen Entwicklung vorangebracht hat. So hat eben nicht nur der Club von mir, sondern insbesondere auch ich von den dort gemachten Erfahrungen stark profitiert. Schließlich hätte ich wohl auch im Anschluss an den Dienst nicht das Studium durchgezogen, zu dem mich die Chefin mit der Aussage „Wenn das mein Sohn geschafft hat, schaffst du das auch.“ motiviert hat und mir trotz aller zeitlich engen Ressourcen und er Personalknappheit stets die Möglichkeit gegeben hat, alle damit verbundenen Bewerbungstermine wahrzunehmen. Dafür kann ich mich nur herzlich bedanken.

André Fast